Ein Jahr ist schnell vorbei – Offener Brief an Brigitte Reiser

Seit gut einem Jahr blogge ich jetzt fast jede Woche zu den Themen Sozialarbeit, Konzeptentwicklung und Qualitätsmanagement im Dritten Sektor. Aus diesem Anlass möchte ich meinen heutigen Beitrag nutzen, um kurz mal zurückzublicken, auszuwerten, was passiert ist und den Kurs für das nächste Jahr abzustecken.

Viele meiner Beiträge sind im Diskurs mit Brigitte Reiser (Nonprofits-vernetzt.de) entstanden und deshalb schreibe ich meinen Beitrag heute als offenen Brief an Brigitte:

Liebe Brigitte,

vor gut einem Jahr warst du die Erste, die auf meinen damals ganz neuen Blog aufmerksam geworden bist. Ich war sehr gespannt, was passieren würde, denn es war mein erster Blog und ich hatte keine Ahnung, wie so etwas funktioniert, wie man Twitter nutzt und überhaupt, wohin das alles führen sollte. Über die NPO-Blogparade sind wir in Kontakt gekommen und du hast mir so in etwa gesagt: “Ich werde mal beobachten, was bei dir passiert, wie sich das entwickelt und ob du dran bleibst…”

Heute würde ich sagen, ja ich bin drangeblieben und es hat sich gelohnt. Unter anderem durch deine wissenschaftlichen und eher theoretischen Inputs ist es mir gelungen, mein Sichtfeld zu weiten und von der Situation hier in Bielefeld zu einem weiteren Denken zu kommen, die Dinge überregionaler und damit verbunden auch vielschichtiger zu sehen.

Entstanden sind Ideen, von denen ich vor einem Jahr noch nicht mal geträumt hätte und die ich jetzt anfange umzusetzen. Die Umsetzung scheint ein langer Weg zu werden, Ideen wie Social Business oder Koproduktion in ein lange bestehendes, starres System zu integrieren, scheint ein mühsames Unterfangen zu sein. Da müssen anscheinend dicke Bretter gebohrt werden.

Ein bißchen mehr Rückmeldung würde ich mir wünschen. Meine Blogbeiträge werden je nach Thema zwischen 50 und 200 Mal angeklickt, im besten Fall sogar gelesen. Kommentare dazu gibt es aber eher wenige und wenn dann immer wieder von denselben Personen.

Natürlich kenne ich das von mir auch. Bis ich einen Kommentar schreibe, kann das schon mal dauern. Aber auch die schnelle Bewertung über die 5-Sterne-Skala war nicht wirklich erfolgreich.

Woran mag das wohl liegen?

Sind unsere Ideen so weit weg von der alltäglichen Realität in den sozialen Einrichtungen, dass sie zwar interessant, aber außerhalb jedes Handlungsrahmens liegen?

Oder lesen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gar keine Blogs? Wenn das so wäre, wo könnte man sie dann erreichen und was würde das für deine Idee von mehr Social Media im Dritten Sektor bedeuten?

Hier in Bielefeld erlebe ich zunehmend eine Frustration und Resignation quer durch alle Träger, die mehr oder weniger offen kommuniziert wird. Sind wir noch in der Phase der Trauer und des Abschiednehmens, bevor sich unsere Energie auf Neues richten kann? Oder haben wir uns so gut eingerichtet, dass wir die das Kaninchen vor der Schlange sitzen, unfähig uns zu bewegen?

Ist das in anderen Städten auch so? Wie sind die Unterschiede zwischen städtischen Einrichtungen und Angeboten im ländlichen Raum?

Und wie kommen wir zu mehr Reaktionen?

Hallo ihr Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, ihr Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen und alle anderen, die in der Gemeinwesenarbeit tätig sind! Wie erreichen wir euch? Was denkt ihr? Wo wollt ihr etwas verändern? Oder ist alles gut und wir beschäftigen uns hier lediglich mit einem Luxusproblem?

Meinst du es gibt Parallelen zur Entwicklung der NPO-Blogparade? Ist es vielleicht ein genereller Trend sich lieber in die eigenen vier Wände zurückzuziehen und die Tür hinter sich zu zu machen?

Liest sich das jetzt wie eine Motivationskrise? Ist es aber nicht, denn die Chance hier neue Konzepte innerhalb der Öffentlichkeit zu entwickeln ist für mich größer, als das nur punktuelle Feedback.

In diese Richtung wird auch der Blog weiter gehen. Entwicklungen beobachten, analysieren und daraus neue Konzepte entwickeln.

Dazu überlege ich die Gründung einer Socialbar in Bielefeld. Aber dazu bräuchte ich wirklich erstmal mehr Feedback, ob ein Interesse daran besteht.

Wie geht es dir denn in deiner Arbeit damit, Brigitte? Erlebst du das ähnlich, oder sind die Rückmeldungen außerhalb deines Blogs breiter angelegt?

Unsere Zusammenarbeit sehe ich auf jeden Fall als sehr ergiebig. Wir ergänzen uns genau an dem Punkt, wo wissenschaftlicher Background und praktische Arbeit aufeinandertreffen und genau dort entstehen umsetzbare Ideen.

Gerade deshalb freue ich mich über den weiteren Austausch mit dir.

Viele Grüße in den Süden, Stefan

 

Finanzierung der Sozialarbeit II: Wir gehen auf den Markt – und erleben eine Überraschung

Der letzte Teil meiner Serie zur Strukturveränderung in der Sozialarbeit mit dem Schwerpunkt Finanzierung hat zu einer angeregten und kontroversen Diskussion geführt.

Danke an dieser Stelle an alle, die sich daran beteiligt haben. Gerne kann die Diskussion auch weiter fortgesetzt werden.

Meine Kernthese lautete:

Wenn die Kommunen, Länder und Bund  immer weniger Geld in das Sozialsystem investieren, sollen doch Social Businesses diese Aufgaben übernehmen.

Diese These ist von mir bewusst überspitzt und provokativ formuliert, denn wenn man sich den Markt unseres rechtlich verankerten Sozialsystems ansieht erkennt man im übertragenden Sinn folgendes:

In jeder Stadt gibt es einen mehr oder weniger großen Wochenmarkt mit allen Angeboten, die so einen Markt attraktiv machen. Da gibt es mehrere Obst- und Gemüsestände, Fleischstände, Käsestände, Blumen und noch viel mehr. Für unser Beispiel stellen wir uns mal hinter einen Gemüsestand und haben gerade frische, rote Biotomaten im Angebot. Schön groß, knackig rot und mit einem tollen Geschmack. Die Hybridtomaten aus dem Supermarkt können da lange nicht mithalten. So warten wir auf unsere Kunden und freuen uns dieses tolle Angebot unterbreiten zu können. Vielleicht sind wir auch ein bißchen stolz darauf, wie gut uns die Tomaten gelungen sind.

Zu unserer Überraschung ist es aber so, dass nur ein einziger Kunde auf den Markt kommt!

Wie hoch ist wohl die Chance, dass dieser Kunde ausgerechnet bei uns kauft? Es kann sogar sein, dass er auf dem Markt nur ein paar Kartoffeln, etwas Fleisch und Käse kauft und dann wieder nach Hause geht. Tomaten zieht er nämlich selber. Die werden natürlich nicht ganz so groß, wie unsere und auch der Geschmack ist nicht so kräftig. Zum Sattwerden reicht es aber und die Ernte ist groß genug, um damit über die Saison zu kommen. Die Tomaten machen zwar ein bißchen Arbeit, dafür hat das Saatgut aber auch nur ein paar Cent gekostet.

Dieses Beispiel lässt sich für mich eins zu eins auf die Situation in den Kommunen übertragen.

Der Markt an sozialen Dienstleistungen und Angeboten ist groß und deckt das gesamte Qualitätsspektrum ab. Es gibt aber nur einen einzigen Kunden, der diese Angebote kauft. Und dieser hat sogar noch die Wahl, einiges davon selber zu machen. Das spart vordergründig Geld, wird sich langfristig aber auf die Qualität des Angebots negativ auswirken.

Diese Diskussion habe ich mit einem Freund geführt, der lange Jahre selbständig im Einzelhandel war. Dort bewirbt man sich mit seinem Angebot um die Gunst der Kunden (wohlgemerkt Kunden -> Plural) und nur so kann ein Markt wirklich funktionieren, wenn er denn als solcher deklariert ist.

Über Jahrzehnte hat unser Sozialsystem ohne einen wirklichen Markt funktioniert. Basierend auf das Subsidaritätsprinzip wurden Aufgaben vom Staat an die freie Wohlfahrtspflege verteilt und der Staat hat diese Leistungen adäquat bezahlt. Seit den neunziger Jahren wird aber auch im Sozialbereich vermehrt von Wettbewerb gesprochen und eine Marktsituation geschaffen, die de Fakto gar nicht gegeben ist. Zu einem funktionierenden Markt gehören immer Anbieter und Kunden. Ein Ungleichgewicht – egal in welche Richtung – wirkt sich auf einen Markt immer negativ aus.

Eine weitere Besonderheit auf dem Sozialmarkt besteht darin, dass diejenigen, die für eine Leistung bezahlen oft nicht gleichzeitig die Nutzer sind. Normalerweise funktioniert der Tausch Ware/Leistung gegen Geld zwischen zwei Parteien und nicht über einen dritten Geldgeber. Diese Situation kommt auf einem Markt nur dann vor, wenn ein Kind Karussel fahren will und der Vater dem Kind das Geld dazu verwehrt. Das wäre wieder ein Beispiel für einen nicht freien, sich selbst lenkenden Markt.

Ein Ausweg aus dieser nach unten drehenden Spirale ist zur Zeit nicht zu erkennen. Sichtbar ist nur, dass etablierte und gut angenommene Angebote dabei auf der Strecke bleiben.

Aus diesem Grund habe ich die Idee des Social Business ins Spiel gebracht.

Nehmen wir als Beispiel “Spread the Word“. Spread the Word – was soviel bedeutet wie “sich herumsprechen” –  ist eine Agentur für Social Business Development und entwickelt Geschäftsmodelle für angehende und bereits etablierte Sozialunternehmen weiter. Im Bereich des Social Business erfüllt dieses Unternehmen aus meiner Sicht eine Art Meta-Funktion, da es andere Social Businesses berät und begleitet. Interessant finde ich eine Aussage in der Firmenphilosophie von Spread the Word, wo es heißt:

Unsere Vision ist eine Welt, in der soziale und ökologische Probleme durch wirtschaftlich nachhaltige Organisationen gelöst werden. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der Sozialunternehmen einen Anteil von 5% am BIP haben.

Zwei Aspekte springen mir hier sofort ins Auge: “Wirtschaftlich nachhaltige Organisationen” und ein “Anteil von 5% der Sozialunternehmen am BIP (Brutto-Inlands-Produkt)”.

Ein Social Business strebt, von seiner Definition her, keine Gewinnmaximierung an, muss aber dafür Sorge tragen, dass es wirtschaftlich geführt wird. Es muss sich also inklusive aller Kosten selber tragen können und im Sinne der Nachhaltigkeit dafür sorgen, dass es zukunftsfähig aufgestellt ist. Dabei macht es sich zur Aufgabe u.a. soziale Probleme zu lösen.
Vielfach denkt man bei einem Social Business zuerst an ein Unternehmen, das sich in einem Entwicklungsland engagiert. Längst sind aber auch in den Industrieländern Social Businesses erfolgreich etabliert. Als Beispiel kann hier die Projektfabrik in Witten angeführt werden, die mittlerweile expandiert ist und Regionalbüros in anderen Städten unterhält.

Solche Unternehmen könnten als Best-Practice-Beispiele herangezogen werden, wenn es darum geht, Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege neu aufzustellen und auszurichten.

Gleichzeitig tragen die Social Businesses durch ihren Umsatz und die darauf entrichteten Steuern indirekt zur Finanzierung der Wohlfahrtseinrichtungen bei. Angestrebte 5% des BIP mag wenig klingen, ist aber bei einem BIP von 3,33 Billionen Dollar 2009 (Quelle Weltbank) ein nicht zu verachtender Beitrag.

So könnten Social Businesses vielleicht doppelt zur Lösung der Krise im Wohlfahrtsbereich beitragen.

Strukturveränderung in der Sozialarbeit Teil 3: Die Finanzierung

In den Teilen 1 und 2 meiner Serie zu den Strukturveränderungen in der Stadtteilsozialarbeit habe ich mich mit der räumlichen Situation und der personellen Situation auseinandergesetzt und versucht, neue Ansätze zu skizzieren.

Zum Abschluss dieser Serie werde ich mich heute mit der finanziellen Situation befassen und der Tenor lautet mal wieder: “Es ist kein Geld da”, “die Kommunen sind finanziell am Ende”, “Gelder werden gekürzt”…

In diesem Zusammenhang ärgert mich ein Beitrag im Stern 8/2011 unter dem Titel “Die Hilfsindustrie”. In den Spitzen der Wohlfahrtsverbände, dicht an der Politik, sitzen anscheinend mittlerweile genügend Macher, die es verstehen, ordentlich Geld mit unseren Sozialgesetzen zu machen. Längst wird das Geschehen hier von Managern bestimmt und nicht mehr von Sozialarbeiter. Das ist aus meiner Sicht auch richtig, denn so große Unternehmen lassen sich nicht mehr mit einer gesunden Portion Halbwissen lenken und führen.

Was mich hingegen ärgert ist die Situation, dass Angebote geschaffen werden, für die noch gar kein Bedarf besteht. Einfach aus dem Grund heraus, dass Gewinne erwirtschaftet werden, die neu eingesetzt werden müssen, um eine Gemeinnützigkeit zu erhalten. Das erinnert mich an vergangene Jahre der Leistungsverträge, an denen gegen Ende des Jahres immer noch irgendwelche unnützen Sachen gekauft werden mussten, um kein Geld zurückzahlen zu müssen und im nächsten Jahr die Zuschüsse gekürzt zu bekommen.
In diesen Zweigen der Wohlfahrtsarbeit sind gigantische Zuwächse zu verzeichnen, Arbeit kann sogar billiger angeboten werden, als die Zuschüsse das vorsehen. Dazu gab es am 21.02.2011 in der WDR-Sendung Markt einen Beitrag über Leiharbeit bei der Arbeiterwohlfahrt. So werden Gewinne zu Lasten der Beschäftigten im Dritten Sektor erwirtschaftet, die im Vergleich zu vielen anderen Berufen eh schon unterbezahlt arbeiten müssen.

Die AWO, die in Punkt 1 Ihrer Grundsätze erklärt:

Die Werte der AWO sind Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Sie bieten den Menschen Orientierung für die eigene Lebensführung und die Gestaltung des Gemeinwesens.

beschäftigt gleichzeitig MitarbeiterInnen festangestellt und auf Leiharbeitsbasis und bezahlt diesen unterschiedliche Gehälter!? Soviel zum Einhalten der eigenen Werte.

Weiter unten in den Wohlfahrtsverbänden vor Ort sitzen Geschäftsführer, die nicht so skrupellos handeln, versuchen Tariflöhne zu zahlen und Einrichtungen zu erhalten. Hier herrscht permanente Geldnot, Zuschüsse werden gekürzt und sinnvolle Angebote für die ein realer Bedarf besteht, müssen aufgegeben werden.

Die AWO steht hier nur stellvertretend für alle anderen Wohlfahrtsverbände.

Wie in so vielen anderen Bereichen unseres Staates (Banken, Steuersystem, Rente…) ist auch das Sozialsystem mittlerweile so unübersichtlich geworden, dass findige Manager es für ihre Zwecke nutzen und eine Gewinnmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit erstreben.

Abgesehen von einem – vielleicht – schlechten Gewissen, spricht da ja auch nichts gegen. Wenn die Gesetze das so hergeben…

Die Frage ist, was “unten” (auch ein schrecklicher Begriff) neben der Schreckstarre von einem zum nächsten Leistungsvertrag noch übrig bleibt?

Kann ein Stadtteilbegegnungszentrum sich auch in Zukunft noch finanzieren?

Die kommunale Finanzierung scheint über kurz oder lang ein Auslaufmodell zu sein. Wird damit auch ein Stadtteilbegegnungszentrum zum Auslaufmodell, oder gibt es alternative Finanzierungsmöglichkeiten?

Die Hauptausgaben eines Begegnungszentrums stellen die Personalkosten dar. Neben ein bis zwei Sozialarbeiterstellen in Teilzeit ist meistens noch eine hauswirtschaftliche Leitung beschäftigt, dazu bis jetzt ein Zivildienstleistender und ggf. Reinigungspersonal. An zweiter Stelle der Kosten stehen die Mietkosten für eine relativ große Immobilie.

In den vorangegangenen Beiträgen habe ich beschrieben, dass der Trend weg von Großgruppen hin zu kleinen Interessensgruppen geht. Man spricht auch von einer Fragmentisierung der Gesellschaft bedingt durch die zunehmende Individualisierung. Damit verbunden werden weder große Räumlichkeiten, noch eine hauswirtschaftliche Leitung benötigt, da der Verzehr und die damit verbundenen Tätigkeiten immer weiter zurückgehen. Sie fallen als feste Einkommensquelle aus, ebenso wie Einnahmen aus Vermietungen der Räume. Mittlerweile gibt es ein so großes Angebot an Räumlichkeiten, dass der Bedarf – abgesehen von großen Familienfesten  - gegen Null tendiert.

Ein Wachstum ist hingegen bei den sozialen Dienstleistungsangeboten zu erkennen. Hier entstehen immer neue Dienste und Angebote, die koordiniert werden müssen. Diese Aufgaben übernehmen die pädagogischen Fachkräfte, oft unterstützt von Honorarkräften. Dazu braucht ein Zentrum Büroräume mit PC-, Internet- und Telefonanschluss. Diese Art von Räumen ist in den traditionellen Zentren meistens aber nicht vorhanden, oder wenn dann nur ein zentrales Büro für die Hausleitung.

Ein Aspekt in der Frage der Finanzierung betrifft also die Einsparung von Geldern, z.B. durch einen Umzug in geeignetere, kleinere und damit preiswertere Räumlichkeiten, die besser an den veränderten Bedarf angepasst sind. Damit verbunden verschiebt sich auch der personelle Bedarf mehr in Richtung pädagogisches Fachpersonal, anstatt Hauswirtschaft. Es ist zu überdenken, ob ein Caféteriabetrieb ausgegliedert und mit seinem Umsatz die Mietkosten eines Zentrums unterstützen kann.

Der zweite Aspekt geht in Richtung Akquierierung neuer Gelder. Welche Finanzquellen könnten für ein Stadtteilbegegnungszentren noch genutzt werden?

Meine Vision geht hin zu einer Einrichtung, die weitestgehend auf kommunale Mittel verzichten kann. Dieser Weg ist alles andere, als einfach. Verschiedene Möglichkeiten müssten miteinander kombiniert werden:

  • An erster Stelle: Ein Fundraiser müsste fest in das Konzept eingebunden und die Konzeption eng mit dem Thema Fundraising vernetzt sein.
  • Es muss überprüft werden, ob es im Bereich des Social Business Produkte gibt, die benötigt und marktfähig angeboten werden können.
  • Die Angebote eines solchen Zentrums richten sich nicht nur an die Bewohner, sondern auch an die Gewerbetreibenden und die Wirtschaft vor Ort. Was benötigen diese Zielgruppen konkret und wofür wären sie bereit, Geld zu investieren?
  • Beratung sollte auch weiterhin kostenfrei angeboten werden. Denkbar ist aber die Gründung eines Fördervereins nach dem Konzept der Lohnsteuerhilfevereine. Mitglieder könnten Vergünstigungen erhalten.
  • Eine Fördermöglichkeit durch Stiftungen muss überprüft werden. Hierbei wird es in der Regel nicht zu einer dauerhaften “Rundum-Förderung” kommen, sondern es müssen Projekte klar abgegrenzt und dafür Fördergelder eingeworben werden.
  • Schon im Vorfeld muss die Rechtsform eines solchen Zentrums sorgfältig abgewogen werden. Geeignet wäre eine gGmbH, die den wirtschaftlichen Anforderungen besser gerecht würde, als ein eingetragener Verein.
  • Insgesamt müsste versucht werden, die Gelder in einen großen Topf fließen zu lassen und sie von dort aus ökonomisch zu verteilen. Zweckgebundene Mittel, wie sie die Förderprogramme heute vorsehen, sind oft kontraproduktiv zu den Anforderungen vor Ort. Was nützt eine Vorgabe zur Halbierung der Personal- und Sachkosten, wenn die Personalkosten tatsächlich höher sind, Sachkosten aber gar nicht in der vorgegebenen Größenordnung anfallen?

Funktionieren kann ein solches Modell nur, wenn die Bevölkerung aktiv an diesem Konzept partizipieren kann. Dazu müssen Möglichkeiten geschaffen werden, alle Beteiligten von Anfang an einzubinden und als gleichberechtigte Partner zu sehen. Schließlich geht es um ihre Interessen und nicht darum, zwei Sozialarbeitern eine Stelle zu sichern und Fördermittel zu verwalten.