Die Leistungsverträge zwischen der Stadt Bielefeld und den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege sind zu den befürchteten Konditionen verlängert worden. Die Mittel werden auf dem Stand des Jahres 2009 eingefroren. Die damit wahrscheinlich verbundene mittelfristige Schließung durch ein langfristiges Ausbluten durch eingefrorene Leistungsverträge ist kontraproduktiv. Begegnungszentren müssen sich aus heutiger Sicht weiterentwickeln, stellen aber einen wichtigen generationenübergreifenden Anlaufpunkt im Quartier dar.
Ende Mai habe ich bereits über die Veranstaltung des Bielefelder Seniorenrats zur Zukunft der Begegnungszentren in Bielefeld berichtet.
In der Zwischenzeit sind die Leistungsverträge zwischen der Stadt Bielefeld und den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege zu den befürchteten Konditionen verlängert worden. Die Mittel werden auf dem Stand des Jahres 2009 eingefroren. Insbesondere für die Personalkosten bedeutet das, dass tarifliche Steigerungen nicht bezahlt werden. Bereits seit Jahren fangen die moderaten Tariferhöhungen die Inflation nicht mehr auf und es kommt zu realen Lohnkürzungen.
Jetzt wird dieser Zustand aber noch getoppt: Mit jeder kommenden Tariferhöhung gehen Mitarbeitergespräche einher, um die Wochenarbeitszeit um das Maß der tariflichen Erhöhung zu senken und so keine weiter steigenden Verluste einzugehen. Natürlich handelt es sich dabei nur um eine symbolische Geste, da die Sachkosten ebenfalls steigen.
Christel Wiemers schreibt in der aktuellen Ausgabe der Monokel (August/September 2011) unter dem Titel “Seniorenrat in der Offensive: Schließen bedeutet ausschließen”:
(…) Die Tatsache, dass die erforderlichen Mittel zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der offenen Seniorenarbeit fehlen, wurde trotz aller Übereinstimmung in der Forderung nach solchen Begegnungsmöglichkeiten überdeutlich klar. Prof. Hilmar Peter, Vorsitzender des Seniorenrates, regte dennoch an, Überlegungen anzustellen, wie jenseits der Frage nach mehr Geld noch mehr Entwicklung möglich sei.(…)
Die Argumentationsweise des Seniorenrats-Vorsitzenden Hilmar Peter, das Ehrenamt und das freiwillige Engagement der Bürger zu stärken, wenn kein Geld vorhanden sei, steht im direkten Gegensatz zum Untertitel der Veranstaltung “Schließen bedeutet ausschließen”. Nur in einem Dialog auf Augenhöhe zwischen freiwillig Engagierten und sozialpädagogischen Fachkräften kann es zu einem tragfähigen Aufbau von Netzwerkstrukturen kommen. Und diese Netzwerke brauchen Anlaufstellen in den Wohnquartieren.
Eine mittelfristige Schließung durch ein langfristiges Ausbluten durch eingefrorene Leistungsverträge ist kontraproduktiv.
Unbenommen müssen sich die heutigen Begegnungszentren weiterentwickeln, die Richtung ist im Rahmenkonzept “Offene Altenhilfe” klar zu erkennen. Die Umsetzung wird aber seitens der Kommune aus Kostengründen abgelehnt.
Über das Rahmenkonzept hinaus müssen aus meiner Sicht folgende Punkt verändert werden:
- Die Zentren müssen sich mehr in Richtung generationenübergreifende Dienstleistungsdrehscheiben entwickeln.
Große Gemeinschaftsräume entsprechen nicht mehr dem Bedarf einer Gesellschaft, die immer mehr in Richtung Individualisierung tendiert. - Begegnungszentren stellen vielmehr eine zentrale Anlaufstelle im Quartier dar, die im Rahmen einer Caféteria Begegnung ermöglichen, aber auch qualifizierte Beratung für alle Altersgruppen anbieten.
- Als generationenübergreifende Anlaufstelle muss das alte Säulendenken (Jugend/Familie/Senioren) aufgebrochen werden. Begegnungszentren bieten Angebote für alle Generationen, dementsprechend muss auch die Finanzierung einer Mischfinanzierung aus allen Bereichen entsprechen.
Die Erfahrungen aus dem Bundesmodellprojekt “Mehrgenerationenhäuser” der vergangenen fünf Jahre haben gezeigt, dass es möglich ist, dieses Säulendenken aufzulösen.
Sowohl der Bund, als auch das Land NRW entwickeln bereits Konzepte und Förderprogramme, um dem demografischen Wandel präventiv entgegenzuwirken.
Ohne Fachkräfte, ausschließlich mit bürgerschaftlichem Engagement, kann das nicht gelingen. Ein starkes Netzwerk ist nur mit einer Mischung aus professionellen und freiwilligen Akteuren tragfähig.
Ein bemerkenswertes Beispiel dafür liefert die Stadt München mit ihrem “Modellprojekt Präventive Hausbesuche”
In Zusammenarbeit mit zwei Trägern der freien Wohlfahrtspflege, einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft und einem städtischen Sozialbürgerhaus, werden von insgesamt vier sozialpädagogischen Fachkräften Hausbesuche angeboten. Zielgruppe sind Menschen über 75 Jahre sowie Migrantinnen und Migranten über 65 Jahre, die von Altersarmut, Isolation oder Einsamkeit betroffen sind. In vier Modellregionen werden die kostenlosen Hausbesuche angeboten, um ältere Menschen rechtzeitig über Haushaltshilfen, Treffpunkte und Veranstaltungen in der Nachbarschaft, finanzielle Unterstützungsmöglichkeitensowie weitergehende Hilfsangebote zu informieren. (…) Die Landeshauptstadt Münschen investiert (inklusive wissenschaftliche Begleitung) insgesamt rund 570.000 €* in dieses Projekt.
Quelle: BAGSO-Nachrichten 03/2011
*Anmerkung: Mit dieser Summe könnte ein Mehrgenerationenhaus mit der jetzigen Förderung 14 Jahre lang gefördert werden!

