Am 25. Mai 2011 hat in Bielefeld eine Veranstaltung des Bielefelder Seniorenrats zum Thema “Zukunft der Begegnungszentren in Bielefeld” stattgefunden.
In den vergangenen Wochen wurde in den Medien immer wieder über die drohende Schließung dreier Begegnungszentren des evangelischen Gemeindedienstes berichtet. Die Seniorenrat der Stadt Bielefeld nahm diese Berichterstattung zum Anlass, um sich auf einem Fachtag breit angelegt mit dem Thema Zukunft der Begegnungszentren in Bielefeld zu beschäftigen.
Am 25. Mai 2011 hat in Bielefeld eine Veranstaltung des Bielefelder Seniorenrats zum Thema “Zukunft der Begegnungszentren in Bielefeld” stattgefunden.
In den vergangenen Wochen wurde in den Medien immer wieder über die drohende Schließung dreier Begegnungszentren des evangelischen Gemeindedienstes berichtet. Die Seniorenrat der Stadt Bielefeld nahm diese Berichterstattung zum Anlass, um sich auf einem Fachtag breit angelegt mit dem Thema Zukunft der Begegnungszentren in Bielefeld zu beschäftigen.
Etwa 140 Besucher, Hauptamtliche, Ehrenamtliche und Besucherinnen und Besucher der Zentren kann der Einladung in die Ravensberger Spinnerei nach und verfolgten die Fachdiskussion.
Tim Kähler, erster Beigeordneter der Stadt Bielefeld und Sozialdezernent verwies in seinem Beitrag auf die angespannte Haushaltslage der Stadt Bielefeld im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts. Zusätzliche Ausgaben im Bereich der offenen Altenhilfe wären nicht zielführend, vielmehr wäre das ehrenamtliche, bürgerschaftliche Engagement gefragt und die Menschen müssten die Auswirkungen der demographischen Entwicklung in ihren Stadtteilen in eigener Regie lösen.
Außerdem bestätigte Kähler seinen Standpunkt, dass es sich bei den Mitteln im Bereich der offenen Altenhilfe um freiwillige Leistungen handeln würde.
Dieser Standpunkt wurde von den anwesenden Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände in Bielefeld heftig kritisiert. Sie verwiesen darauf, dass die Sachleistung, die in den Leistungsverträgen festgehalten sind, auf dem Stand des Jahres 1979 basieren. Die kurze Laufzeitverlängerung der Leistungsverträge um nur ein Jahr, sowie das einfrieren der Gehälter auf dem Stand von 2009 seien ebenfalls nicht akzeptabel, da es sich dabei de facto um eine weitere Leistungskürzung handelt.
Das vom Rat geforderte Rahmenkonzept “Offene Altenhilfe”, dass in den vergangenen Jahren von den sozialen Trägern in Zusammenarbeit mit der Stadt entwickelt worden ist, benötigt für seine Umsetzung weitere 600.000 €. dieses – meiner Meinung nach – mit maßvollen Blick auf die Finanzen entwickelte Konzept stellt ein Mindeststandard für die Arbeit der kommenden Jahre dar. Bereits heute beträgt der Anteil der Menschen über 60 Jahre in Bielefeld 25 %, in zehn Jahren wird bereits ein Drittel der Bielefelder Bevölkerung über 60 Jahre alt sein.
Verschiedene Redner hoben hervor, dass Begegnungszentren nur ein Teil der gemeinwesenorientierten Sozialarbeit sind und bleiben werden. Diese Aussage ist meiner Meinung nach richtig. Begegnungszentren stellen aber einen wichtigen Anlauf- und Koordinierungspunkt im Stadtteil dar. Außerdem sind sie offen für alle Altersgruppen, nicht nur für ältere Menschen. Ein aufbrechen dieses Säulendenkens ist meiner Ansicht nach dringend notwendig. Die Arbeit des Mehrgenerationenhauses in den vergangenen fünf Jahren hat gezeigt, dass ein Aufbrechen dieser Säulen hilfreich für die Arbeit ist, zu neuen Angeboten führt, neue Benutzergruppen anspricht und somit zu Synergieeffekten führt.
Auch das von Herrn Kähler geforderte bürgerschaftliche Engagement braucht als Grundlage ein funktionierendes Begegnungszentrum im Stadtteil, in dem sozialarbeiterische Fachkräfte und freiwillig Engagierte auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Eine Ausstattung mit zwei halben Sozialarbeiterstellen stellt dabei für mich einen Mindeststandard dar.
In meinem Podiumsbeitrag zum Thema Vernetzung der Seniorenarbeit im Stadtteil habe ich außerdem dafür plädiert, dass ich mir seitens der Politik eine Wertschätzung unserer Arbeit wünschen würde. Seit der letzten großen Kürzungswelle Anfang der Neunzigerjahre geht es im Bereich der offenen Altenhilfe ausschließlich um gekürzte Leistungsverträge und zu hohe Kosten. Das aktuelle Einfrieren der Mitarbeitergehälter auf den Stand von 2009 ist ein weiterer Schritt in dieser Abwärtsspirale.
Leider wurden am Ende der Veranstaltung keine weiteren konkreten Schritte vereinbart. Da die Entscheidungsträger die Veranstaltung zu Beginn der Arbeitsgruppenphase bereits verlassen hatten, blieb dem Vorsitzenden des Seniorenrates im Schlusswort lediglich die Beteuerung, sich weiterhin für den Erhalt der Begegnungszentren in Bielefeld einzusetzen.
Presseartikel in der Neuen Westfälischen Zeitung am 26.05.2011



3 Kommentare zu Zukunft der Begegnungszentren in Bielefeld
Ich denke auch, dass die bestehende Infrastruktur der Begegnungszentren eine sehr gute Voraussetzung für den Ausbau der generationenübergreifenden Arbeit in den Stadtteilen ist.
Dass für diese Arbeit die Bevölkerung stärker sensibilisiert und gewonnen werden muss, ist notwendig und sinnvoll. Allerdings geht das nicht ohne professionelle Unterstützung durch die Sozialarbeit. Dass die Gemeinde sich finanziell zurückzieht und die Bewältigung des demographischen Wandels einfach den Stadtteilbewohnern überlässt, die im Zweifel rat- und hilflos vor den neuen Aufgaben stehen, – das kann keine effektive Strategie sein.
Wenn man die Beteiligung der Bürger auf breiter Basis will, dann muss man auch in Beteiligungskompetenzen investieren. Alles andere führt faktisch zum Dahindümpeln und langsamen Absterben von bisher aufgebauten Angeboten. Und zu asymmetrischen Beteiligungsstrukturen, die ohnehin die Schwachstelle von Partizipationskonzepten bleiben, wenn nicht aktiv in die Beteiligung von bildungsfernen Schichten investiert wird.
Das britische Big Society-Konzept hat viele gravierende Schattenseiten, aber es hat immerhin zu einer breiten Diskussion über die Aufteilung der Aufgaben zwischen Staat und Gesellschaft geführt. Über diese Aufteilung wird in unserem Land keine Debatte über die üblichen Zirkel hinaus geführt. Aber diese Aufgabenteilung zwischen Staat und Gesellschaft und – damit verbunden – die entsprechenden Finanzierungspflichten bräuchten auch bei uns eine neue Abstimmung und Legitimation.
Hinweis: Die Diskussion zu diesem Themenkomplex läuft in ähnlicher Ausrichtung auch auf dem Blog Nonprofits-vernetzt.de von Brigitte Reiser. Um nicht alle Argumente doppelt zu erwähnen, schlage ich ein “hin und her lesen” zwischen beiden Blogs vor.
@Brigitte Reiser: Ich habe es bereits etwas ausführlicher auf deinem Blog kommentiert: Wenn die durch die Kommune gewährten finanziellen und personellen Ressourcen schwerpunktmäßig für die Vernetzung im Stadtteil und den Aufbau von Strukturen zur Beteiligung von Bürgern genutzt werden könnten, wäre das ein großer Schritt in Richtung lebendiger Bürgergesellschaft.
Die Effekte, die draus entstehen in Richtung Prävention und Unterstützung der Bürger untereinander würden später entstehende, hohe Folgekosten, die dann Pflichtleistungen wären, vermeiden. Diese Ansicht vertritt auch der Bielefelder Sozialdezernent, ohne allerdings daraus die notwendigen Konsequenzen abzuleiten und umzusetzen.
Das Geschäftsfeld der sozialen Dienstleistungen könnte dann effektiver und wirtschaftlicher von Social-Business-Unternehmen übernommen werden.
Auf diesem Weg würden zusätzliche Synergieeffekte zwischen Wohlfahrtsverbänden und Social-Business-Unternehmen zum Wohle der Bürger entstehen.